Dingfragmente

Eine Sammlung neuzeitlicher Antiken. Fundstücke, Erwerbungen und Neubildungen.

Als fotografische Dokumentation zusammengefasst in Band IV von Szenische Skulpturen.

Auch ist dieser Band ein Exkurs über das schnelle Altern von Dingen.

Verfallen ereignet sich an manchen Dingen besonders rasch. Dazu gehören auch im großen Umfang Gegenstände aus Polyäthylen, auf Deutsch „Plastik“ genannt. Die Halbwertzeit mancher Produkte, sozusagen die Lebenszeit in dieser Form, zum Beispiel Einkaufstüten beträgt besten falls wenige Minuten. Bei anderen ist es etwas mehr, oder viel mehr, je nach Konsistenz, Stärke und Gebrauchszusammenhang. Jedenfalls strandet ein nicht unerheblicher Teil dieser Dinge, bedingt durch menschliches Konsumverhalten an den Meeresküsten, wo sie eine schrittweise Fragmentierung und den Prozess des Ausbleichens durch Salz und Licht durchlaufen.

Dann treten sie unter den günstigsten Umständen wiederum in den Kreislauf der Dingwerdung, des Dingzerfalls und der Dingneuwerdung ein.

Wie ein natürlicher Prozess, nur von schweren Vergiftungserscheinungen begleitet. So treibt im Pazifik westlich von den Sandwichinseln, bedingt durch die Meeresströmungen zu einem riesigen Gebiet von der Größe Europas zusammengefasst, ein Plastikteppich im Meer. Vieles davon geht nach meeresbedingter Schredderung in die Nahrungskette ein, wird von Lebewesen aufgenommen, ist aber unverdaulich und lebensfeindlich. Es ersteht auf diese Weise eine sukzesive Vergiftung. Es haben sich Tierkadaver gefunden, wonach deren Tod und Zerfall im Magen/Darmbereich der Skelette jede Menge „Plastik“ Nahrung übrig blieb.

In der Welt meiner Kindheit, sozusagen vor dem „Verschwinden der Glühwürmchen“(Zitat von Pier Paolo Pasolini) kamen Produkte aus Polyäthylen kaum vor, oder nur geringfügig, jedenfalls nicht in unserem alltägliche Leben (Bakelit ausgenommen). Papiertüten, Einkaufsnetze, Stofftaschen, Milchkannen, Stühle und anderes Mobiliar wurden aus Material gefertigt, deren Zerfall keine dauerhafte Vergiftung nach sich zog.

Zum ersten Mal bewusst wurde mir diese Tatsache 1984 auf einer Reise nach Italien. Die Küste von Civittavecchia nördlich von Rom war übersät von Kunststofftrümmern, in Haufen. Meine Reaktion war neben dem Entsetzen über die Menge von unzerstörbarem Müll war, dieses Material als Gestaltungspotential zu nutzen. Es entstanden Arbeiten von denen es heute noch einige gibt, immerhin 31 Jahre nach dem Fund der Kunststofftrümmer. Eine Art von Lebensverlängerung in der Kunstgeschichte.

 

 

Wundsteine

Malerei

Der Anlass für diese Werkgruppe von Malerein war die Auffindung einer Felsenhöhle an der Küste des Naturschutzgebietes vor Punta N'Amer im Nordosten Mallorca's durch meine Lebenspartnerin. Diese Höhle an der Küste auf Meereshöhe gelegen ist dem ewigen Angriff der Elemente ausgesetzt. Wasserbewegungen unterhöhlen die Uferklippen und lösen aus weichem Laterit die harten Calzium Carbonate heraus, bedingt durch kleine Öffnungen und Ritzen in dem Gestein bleibt ein Teil dieses roten Materials in ihnen erhalten. Die Masse dieser durch die Wasserbewegung rund geschliffenen Kalksteinen unterschiedlicher Größe wirkt wie verletzt, wie durch Schußwunden gezeichnet mit ihren roten Punkten und Strichen, Die Wahrnehmung dieser Situation erzeugte einen nachhaltigen Impuls, der sich in dieser Werkgruppe von Malereien niederschlug und mich immer noch bewegt. Das Motiv der Wundsteine erweiterte sich dann auch auf die Betrachtung der Landschaft aus der sie stammen, die korrodierten Felswände der Klippenlandschaft, aus denen die noch graufarbenen Kalksteine sichtbar werden. Dieser ewige Zerstörungsprozess oder Wandlungsvorgang berührte mich sehr.

Wie die Steine so die Menschen

Angegriffen, Verletzt, Zerstört

durch die Gewalt von Kräften.