Meine Damen und Herren,

ich begrüße Sie im Namen der Kunstschule Jörk Kalkreuter.

Ich wurde zu dieser Veranstaltung eingeladen, um ein komprimiertes Statement vom Selbstverständnis meiner Arbeit zu geben. Die Frage war, was ist über den in der vorliegenden Publikation nachlesbaren Text hinaus zu sagen. Bei der Frage kam der Hintergrund, der Inhalt  sozusagen, der das Ganze trägt, ins Spiel.

Eine kurze Einschätzung der gesellschaftlichen Bedeutung einer Kunsterfahrung vermittelnden Tätigkeit wäre hier das sinnvollste, um die inhaltliche Perspektive dieser Arbeit klar zu fassen.

In den vergangenen 33 Jahren, seit Beginn meiner Tätigkeit, sind wir Zeuge einer extremen Wandlung der gesellschaftlichen und medialen Gesamtverfassung geworden. Am  Ausgangspunkt, 1977, gab es keine "digital-virtuelle Realität". Die Grundbedingungen der sinnlichen Wahrnehmung waren zu jener Zeit noch sehr direkt an greifbare, begreifbare Tatsachen gebunden. Der Prozess des Erfahrens besaß aufgrund dessen eine andere Bandbreite und Qualität.

Diese Bedingung hat sich völlig verändert. Anstelle des Naturstudiums, um einen etwas fossilen Begriff zu verwenden, ist die "Realitätsabschöpfung" aus dem Internet, aus der virtuellen Welt getreten. Damit sind uns jetzt zwar sehr viele Fakten leicht zugänglich, diese wiederum aber in einem Zustand der Unsinnlichkeit. Ich kann z.B. keine Oberfläche mehr fühlen, keinen Wind mehr spüren, keine Wärme empfinden usw. Damit ist eine bestimmte Fülle von Wahrnehmungsreichtum stark reduziert worden. Die sich aus diesen Umständen bildenden Ersatzwelten sind in ihrer Dimension riesig groß und andererseits sehr stark eingeschränkt.

Mein Anliegen als Kunstschule ist es, in der direkten, ungefilterten Auseinandersetzung, hauptsächlich über sinnliche Wahrnehmung die Fähigkeit zu entwickeln und zu erhalten und damit über die Gesamtheit des Wahrgenommenen zu eigenen Bildern zu gelangen. Dabei fließen Erfahrungen aus allen Bereichen des Daseins in diesen Prozess. Das wiederum gibt den Bildern eine Tiefe, Wärme, Mitteilungsintensität und Authentizität von der Berührungskraft ausgeht: das ist ein Grundmerkmal der Kunst.